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 © by Luftschiffharry



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Nieuport - Panorama - Aufklärungsfoto - gefertigt von der Marine-Fesselballon-Abteilung (Flandern 1916)
- für das komplette Panorama in voller Breite auf das Bild klicken !
- siehe auch unter Aeroconservancy - Photos from a Marine Observation Balloon -




Zuschrift von Herrn H. (März 2015):
Ich habe bei diesen Aufklärerfotos immer ein mulmiges Gefühl, war mein Vater doch als 16jähriger Kriegsfreiwilliger im 1. WK an der Westfront, sein Kompanieführer hieß Ernst Jünger. Ich denke immer, irgendwo da unten könnte der arme, leidende, knapp überlebende Glückspilz ja sein, inmitten von Schlamm, Blut, Tod, Gestank, Lärm, dem irren innereuropäischen Bruderzwist, der ein Verbrechen aller Seiten an der Zivilisation Westeuropas war. Mich irritiert das Blau, gar Grün der Hauptkampflinie. Aussage wäre für mich blutrot in diesem Bereich. Das hätte mich mehr überzeugt. Teilweise hätte ich es blass angemessener empfunden. Leichenblass. Nicht alles ist nur Farben(Spielerei ?). Sorry für die Kritik. Aber es sind meine Gedanken.

Lieber Herr H.,
Ihre Gedanken dazu sind völlig in Ordnung. Aber es ist nun mal so, dass selbst den schrecklichsten Dingen eine gewisse Ästhetik innewohnt. Künstler haben diese Erfahrung hundertfach der Nachwelt überliefert. Die allerwenigsten Menschen können noch nachvollziehen was beispielsweise ein Otto Dix an der Front sah, erlebte. Und auch der Tod und seine Absandten kommen nicht trist Grau in Grau daher (obwohl es Hunderte von Grau gibt). Farben im Krieg entstehen nicht nur durch Blut und Pulververbrennungen. Sie sind immer da, in der Erde, in der Luft, sogar im Licht, dass von verschiedenen Stellen reflektiert, in seiner Frequenz modifiziert wird. Trifft ein blauer Lichtstrahl auf gelben Sand, wird er nicht als Blau zurückgestrahlt, sondern nimmt Farbanteile mit, trifft auf andere Farben verändert sich erneut. Das Blut der Soldaten tritt an die Luft, sein Inhaltstoffe reagieren sofort, das Farbspektrum verändert sich, oxidiert mit dem Luftsauerstoff, gerinnt, wird schwarz zu Kohlenstoff verbrannt. Und zwischen all dem blühen Pflanzen in all ihrer Unschuld in gelb, blau, grün --- und sogar rot. Der Klatschmohn, die Poppies wie der Brite sagt, sind nicht von ungefähr die Blumen des Grabenkrieges. Sie blühen nur einen einzigen Tag ... um sich auszusamen ... und nach kurzer Zeit erneut aus dem Boden zu schießen, zu neuer kurzer Blüte zu wachsen, sich immer wieder per Samen zu erneuern. Vermutlich kennen Sie den Plot des Films "Im Westen nichts Neues" nach Remarque ... er endet damit, dass der Protagonist, von einem Schmetterling fasziniert die jahrelang geübte Vorsicht vergisst ...

So wenig wie der Schmetterling und die Klatschmohnblume sich einen Dreck um die todesverachtende Umgebung scheren, so wenig werden Farben unterdrückt, hören die Vögel auf zu singen, ihrem Tagesgeschäft der Nahrungssuche nachzugehen. Der Tod beinhaltet auch immer das Leben an sich, ist nur eine andere Darstellungsform ... quasi die Negativform, die Gegenhülle wie beim Glockenguss. Und es sei daran erinnert, dass ich die Farben nur sehr bedingt beeinflussen kann ... ich nehme was ich kriege ... und schubse die Farben nur ein wenig in bestimmte Generalrichtungen. Mehr ist nicht machbar.

mit bestem Gruß der Luftschiffharry


Liebe Freunde,
das ist der Gang der Dinge in der Welt der Kunst und überhaupt ... nicht alles kann und soll "aus den Puschen hauen". Auch ist das zum Teil ein Geschmacksfrage ... und selbst der Geschmack ist nicht jeden Tag der selbe. Diese Luftaufklärungsbilder empfinde ich eher als surreale Konstrukte,  als abstrakte Strukturen. Der Krieg kommt mir allenfalls bei den Recherchen zu den Bildern in den Sinn - sonst sehe ich nur Farben, Linien und allenfalls imaginäre Bilder. Manche Dinge schlummern Monate oder gar Jahre in meinen verschiedenen Auffang-Ordnern und/oder ich entdecke sie bei anderen Suchen neu. Dann werden sie hervorgekramt und ein Versuch gewagt ... entweder es wird was ... oder auch nicht.

Guten Morgen,
ja, klar. Natürlich ist das richtig, dass neben dem Schlechten auch die Natur funktioniert. Wenn auch mehr im entfernteren Sinn. Teile der Westfront waren nur noch durch terrorisierte Tötenswillige "beseelt". Da sang kein Vogel. Mal ein Gedanke: 
Im Design spricht man vom Lehrsatz Design follows function. Sollte nicht auch farbliche Veränderung einem Sinn folgen ? Anders gefragt, wäre es nicht vielleicht möglich, eine Aussage in die farbliche Veränderung zu implementieren? Würde dadurch nicht eine zusätzliche Dimension hinzukommen ?

Nur ein Ansatz. Beste Grüße H.

Lieber Freund,
kann Ihren Ansatz Design follows function gut nachvollziehen. Leider handelt es sich bei meinen Murkeleien nicht um eine völlig rationale Angelegenheit. Rational heißt: ich beschließe, dass bestimmte Bereiche, Strukturen diese oder jene Farbe haben. Habe ich schon öfters versucht. Funktioniert manchmal, manchmal ein bißchen, manchmal gar nicht. Wenn ich es mit Kraft und Sturheit versuche kommen manchmal ein paare laue Farben ... aber vielfach eben nichts, was optisch etwas hermachen würde. Es gibt einige wenige Fälle wo sich das zu verändernde Original als sehr willig erweist ... sich die Schalter fast in alle Richtungen verändern lassen. Dann fertige ich meist auch mehrere deutlich unterschiedliche finale Versionen ... also etwas für verschiedene Geschmäcker. In den allermeisten Fällen kommt aber nur eine wirklich gangbare sprich farblich interessante Richtung heraus. Bleibt also nur die Möglichkeit farblich zum Thema nicht passende Versionen gar nicht zu veröffentlichen oder zu löschen. Eben das mache ich immer wieder. Sie können davon ausgehen, dass nur etwa die Hälfte bis ein Viertel meiner Æmopunk-Arbeiten den Weg nach draußen findet. Manches Bild lagert eine gewisse Zeit in meinem "noch bearbeiten"-Ordner und wird dann (nach weiteren Versuchen etwas optisch sinnvolles daraus zu machen) entweder wegsortiert in den Fundus, gelöscht oder letztendlich doch auf die Homepage gestellt. Es gibt da keinen Automatismus. Ich begegne solchen Design-Wracks bzw. Versuchsruinen bei meinem Reisen durch die Festplatte immer wieder. Ich lebe damit, dass meine Arbeiten fehlinterpretiert werden können, nicht gefallen. Das liegt mitunter nicht nur an nachvollziehbaren handwerklichen Fehlern, an unpassenden, nicht harmonierenden Farben. Teilweise ist dem Betrachter die Materie völlig fremd aus dem das Ursprungsbild stammt. Es braucht natürlich schon einen gewissen Enthusiasmus, um sich an Uhren, Schildern oder Stempeln, Grabmälern begeistern zu können. Selbst die Philatelisten unter meinen Luftschiff-Freunden können sich nicht alle an Luftschiff-Kommando-Stempeln erfreuen, oder an bemurkelten Briefen. Sie verstehen dann schlicht nicht warum ein Foto bearbeitet wurde und welchen Mehrwert das nun bunte Bild haben soll. Und das ist nur der harmlose Fall. Unlängst fragte mich ein Luftschiffer, was er denn mit den unscharfen Bildern solle. Als ich mich entschuldigte, meine Intensionen offenlegte, den Spaßfaktor betonte und darauf hinwies, dass manche Leute dies sogar als Kunst bezeichnen, ruderte er sprachlich zurück ... und outete sich als völligen Kunstfremdling, sogenannten Kunstbanausen, der für so etwas einfach keine Ader hat. Ich nehme das nicht persönlich.  Das ist ein völlig normales Künstler-Schicksal. Ich bin aber durchaus davon angetan, dass andere Menschen sich mit meinem Tun auseinander setzen, Gedanken dazu haben ... und sie auch äußern. Schweigen wäre viel peinlicher. Kanten sind dazu da sich daran zu reiben. Ich bedanke mich also bei meinen Kritikern für die freundliche Beachtung, für ihre persönliche Meinung. 

Mit bestem Gruß der Luftschiffharry


::: und immer daran denken: das Verformte ist kein besseres Bild, sondern nur eine andere Sicht. So als wenn Ihre Sicht durch die Erweiterung des sichtbaren Farbspektrums verbreitert würde. Selbst wenn man nichts Neues entdeckt ... genießen Sie die Farben. Warum soll ein nüchterner Gegenstand, ein schlichtes Luftaufklärungsbild nicht auch eine ästhetische Komponente haben ? Mich hat schon immer, lange vor meinem Engagement in Sachen Æmopunk, die Struktur von Luftbildfotos fasziniert. Wenn das bei Ihnen bis dato nicht so war, dann besteht nun die Möglichkeit mir in die Welt der Falschfarben und Verformungen zu folgen. Und auch nicht vergessen - hier ist das Hineinzoomen, das Vergrößern des Bildes Pflicht, weil die wirkliche Schönheit erst dann sichtbar wird !  
             Übrigens, das Bild oben zeigt eine Landschaft an der Westfront am 17. Mai 1916 - aufgenommen von einem Aufklärer der Feldflieger-Abteilung 2 - Beobachter Z (Anfangsbuchstabe), Bildnummer 1880, Planquadrate 436 und 437 - Norden liegt links unten / siehe Nordpfeil rechts oben im Bild, die Neigung des Bildes beträgt 40 Grad - die Neigungsmesser-Angabe ist im Bild rechts unten zu sehen. Das Foto wurde von mir um 180 Grad gedreht.






Parseval PL 25 - Leutnant Mangold bei der Erprobung einer Fernkammer
 (das ist eine Spezial-Kamera für Luftbild-Aufklärung)  im Juli 1916





























das französische Luftschiff Ville de Paris im Jahre 1910
über der Luftschiffhalle in Verdun (gelegen im Stadtteil Belleville sur Meuse)

- einen besonderen Dank an meinen Freund Philippe Nicodeme für das originale Bild -
--- un remerciement particulier à mon ami Philippe Nicodeme pour l'image originale ---



















































Æmopunk