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 © by Luftschiffharry



Heeresluftschiff LZ 86 in Kowno nach der Landung - 1916
- ein komplettes Bild kann hier geladen werden -

Werter LuftschiffHarry,
das Motiv ist mal wieder toll. Auch gut von Dir bearbeitet, Du weißt schon, was kommt ? Die Farbe ist nicht mein Ding. Wobei, beide Bilder 1_26_1-1 und 1_26_1-1 comic sind farblich eigentlich fantastisch, die Stimmung wie bei Caspar David Friedrich. Die beiden gehören in die Bestenliste oder eines davon. Ja, welches ? Das comic ! Sie haben ein sehr feines Farbempfinden bei den Schneebildern. Das fiel mir schon bei früheren Schneebildern auf. "Die Bank" oder "Die Eisschollen" [...]. Ja, das ist eine Gabe, entweder man kann´s oder nicht. Das kann man nicht lernen, das Feeling muss man mitbringen ...

Lieber Freund,
natürlich bevorzugt der Gemeine Bürger bunte, unkomplizierte Bilder. Und natürlich will der WaldundWiesen-Luftschiffer etwas auf seinem Bild etwas erkennen und neigt daher weniger zu abstrakten Darstellungen. Kunst an sich ist aber kein Service-Betrieb und auch kein Ponyhof.  Wenn man seine Kunst unter ein Gesamtmotto stellen, einen besonderen Stil entwickeln kann, ist das sicher ein großer Vorzug. Aber genauso wie nicht jeder Komponist, jeder Sänger tiefschürfende (politisch motivierte) Lieder singen muss (weil es erlaubt ist unpolitisch zu sein), so ist es jedem Bildhauer oder Maler erlaubt gefällige Bilder für Jedermann zu fertigen. Arbeiten, Farben und Formen, die gefällig sind erzeugen keinen Widerstand, keine Gedanken, verschaffen kein sinnliches Erlebnis. Wieder mal das vielfach zitierte Beispiel: Es gibt Frauen, deren Bilder man beispielsweise in der Mitte von bestimmten Herrenmagazinen finden kann. Diese Damen sind gefällig, zumeist wohlgerundet, nett anzusehen ... aber nach meinem persönlichen Dafürhalten nicht (wirklich) schön. Sie sind eher schön-schön, haben den Sexappeal einer klinisch reinen Waschmitteltonne - Persilsex (mein Terminus dafür). Wirklich interessante Frauen (und natürlich auch Männer), sind eher nicht schön. Man nennt das bei uns auch apart. Unsere französischen Nachbarn können das wieder viel besser ausdrücken als wir unbeholfenen Deutschen.

Der Franzose sagt also, dass etwas

ist. An dieser Eigenschaft entzündet sich die Fantasie ... in der Erotic ... aber auch im Künstlerischen. An manche Kunst (Lied, Bild, Essen) muss man sich erst gewöhnen, muss sie schätzen lernen. Und manchmal wird erst das Gewöhnliche als wirklich entspannend (schön) empfunden. - So ein Fall könnte bei den beiden zuletzt übermittelten Luftschiff-Bildern vorliegen. Die Motive "LZ 86 - Kowno gelandet" mögen allgemein (in den Farben) nicht berauschend sein, aber sie transportieren Authentizität (zumindestens nach meinem Verständnis). Hier ist sogar vielleicht der sonst so schwierige Spagat zwischen guter (fotografischer) Dokumentation (präzise Details und anderes) und Übermittlung einer korrekten (tatsächlichen) Stimmung gelungen. Beide Fotos sind im Winter entstanden, runde 200 Kilometer von der Memelmündung entfernt, mitten im heutigen Litauen. Das war damals (politisch) noch Russisch-Polen. Der Ortsname Kaunas ist litauisch und wurde erst nach dem Kriege verwendet (respektive nach dem 17. Dezember*** 1917). Die deutschen Stellen übernahmen den bis dahin verwendeten Namen. Das Wesen der Baltischen Völker ist zur russisch-polnischen Kultur deutlich unterschiedlich, das liegt nicht nur an der Sprache, sondern auch an der Landschaft. Hier hat das Liedgut einen wesentlichen stärker Impetus als in anderen Nationen. 1991 kam es im ganzen Baltikum zur sogenannten "singenden Revolution". In Lettland sind es die Dainas, in anderen baltischen Ländern bis hin nach Finnland und Schweden gibt es ähnliches Liedgut, eine ähnliche Dichtkunst. In solchen kulturellen Ausdrücken spiegelt sich die Seele eines Volkes und natürlich auch der Landschaft.

*** faktisch Unabhängikeitstag (Erklärung) Litauens - Am 11. Dezember 1917 erklärte die Taryba die Wiederherstellung des „unabhängigen“ Staates Litauen mit der Hauptstadt Vilnius und mit Bindung an das Deutsche Reich. Zwei Tage später erging vom Reichmarineamt (RMA) eine Mitteilung an das deutsche Kriegsministerium, dass der Lufthafen Kowno nicht mehr benötigt wird (Freiburg RM 116/198). Die administrative Organisation des Lufthafens übernahm nun das Heer, die Befehlsstelle OberOst (ObOst).

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Damit komme ich auf mein eigentliches Thema zurück. Es ist zwar nicht klar zu welcher Tageszeit die Bilder entstanden sind, aber es dürfte wohl eher ein ganztägig grauer Tag gewesen sei ... mit diffuser Helligkeit, die keine Schlaglichter erzeugt, sondern eher eine gedämpfte Stimmung. Das kann man sehr gut am Bild LZ_86_Album-1_26__1-1 nachvollziehen. Die Sonne ist nicht wirklich am Horizont oder Himmel sichtbar, drückt vielmehr durch die dichten Wolken. Es kann auf dem Bild sowohl morgens wie auch abends sein. Da das Luftschiff deutlich sichtbar (gerade) gelandet ist, wird es von einer nächtlichen Feindfahrt zurückgekehrt sein. Solche Fahrten dauerten oft 12 Stunden und mehr ... begannen am späten Nachmittag / frühen Abend ... so dass Kriegsluftschiff mit seiner Ladung gegen Mitternacht über dem Zielort war (und dabei die nächtliche Dunkelheit als Schutz hatte).

Das oben genannte Bild ist auch dokumentarisch sehr detailreich: es zeigt den Luftschifftrupp, die Seilspinnen, zeigt wie links und rechts die Landeseile und -spinnen in die Laufkatzen eingeschäkelt werden. die dunklen Rillen sind die (vorher abgedeckten) Schächte mit den Sicherungsschienen, die ins Innere der Luftschiffhalle führen und eine seitliches Ausbrechen des Zeppelins bei Windstößen verhindern sollen.
        Besonders gut getroffen an diesem Bild sind die Farben der Zeppelinhülle. Abseits von irgendwelchen Tarnfarben, die zeitweise eingesetzt wurden spiegelt sich in der Außenhaut die Korrosion durch die Witterung wieder. Selbst nagelneue Luftschiffe alterten optisch sehr schnell. Regenwasser wusch Staub vom Luftschiffkörper und hinterließ an den Seiten Fließspuren. Immer wieder mussten Hüllenteile ausgetauscht, geflickt werden (Korrosion, Beschußschäden durch die feindliche Flugababwehr und anderes). Auch das lässt sich an der äußeren Erscheinung der Kriegsluftschiffe leicht erkennen, ablesen. Ein bewegtes (kurzes) Leben. Auch bei dem anderen Bild LZ_86_Album-1_23__1-1 sind die Strapazen des Einsatz deutlich sichtbar.

Auf beiden Bilder kann man den Ausguck, den Maschinengewehr-Stand (das Nest) auf dem First des Luftschiffes gut erkennen. Selbst nach erfolgter Landung verharrt der Luftschiffer noch auf seinem Posten - bis zur letzten Minute gilt die Gefahr feindlicher Flieger als gegeben. Ein Wintertag in weitgehend ungeschützter Umgebung ist schon nicht gerade ein kuscheliger Platz ... der Ausguck in eisiger Höhe (beim p-Typ wie dem LZ 86 zwischen 2000 und 4000 Meter im Durchnitt) bei einer nächtlichen Einsatzfahrt ist da eine noch ganz andere Anstrengung. Die Ausrisse mit dem MG-Stand (in der Anlage und in den Text eingeschoben) verdeutlichen vielleicht die Besonderheit dieses Postens.

Abschluss dieser Beschreibung. Die Farben der Bilder kommen etwas düster daher, transportieren aber nach meiner Meinung sehr gut die tatsächliche (Licht)Stimmung vor Ort. Sie lässt erahnen wo sich dieser Ort befindet (auch wenn einem die Namen Kaunas / Kowno / Litauen wenig bis nichts sagen). Sie haben auch nach meinem Empfinden etwas von Caspar David Friedrich - nicht umsonst zählt er zu meinen bevorzugten Malern. Die Bilder stellen sowohl in ihren Farben wie auch im technischen Detail eine Besonderheit dar. Ich kann mich nur bei dem unbekannten Fotografen bedanken, der diese Werke schuf, mir die Vorlage ermöglichte. Die Fotos stammen aus dem Nachlass von des Besatzungsmitgliedes LZ 86 Willi Schumacher (Album 1).




Maschinengewehrstand (MG-Nest) auf dem Rücken (First) eines Zeppelins vom Typ p (hier Heeresluftschiff LZ 86)


Dear airship-friend ...
... If you have further questions, 
please feel free to ask in English or German.








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Heeresluftschiff Z XII in der Halle Allenstein













Heeresluftschiff Z XII vermutlich in Liegnitz














DELAG-Luftschiff "Hansa" (LZ 13) - Landungsfahrt Sambach 1912
Fahrt vom 17. November 1912
Gotha - Gut Sambach / Mühlhausen (Thüringen) - Gotha













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